Die Drittligadamen des MTV 1860 Altlandsberg haben nach mehr als holprigem Anfang die Partie gegen den Tabellenletzten FvL Stade pflichtgemäß mit 27:19 (12:9) gewonnen – viel positiveres lässt sich über die Begegnung im Tabellenkeller leider selbst aus Altlandsberger Sicht nicht sagen.

Hätte es noch eines letzten Warnschusses bedurft, um auch den unverbesserlichsten Optimisten in den Reihen des MTV den Ernst der Lage im Abstiegskampf vor Augen zu führen, die Tabellensituation unmittelbar vor Anpfiff der Partie Altlandsberg gegen Stade musste dieser Warnschuss sein. Der TSV Wattenbek hatte am Samstag dem Frankfurter HC ein 27:27 Unentschieden abgetrotzt. Und bereits am Freitag hatte der TSV 1860 Travemünde, der zwei Spieltage zuvor noch dem VfL Stade mit 16:23 unterlegen war, den TSV Nord Harrislee (zu dem Zeitpunkt noch Tabellenführer der 3. Liga Niord) nichts weniger als sensationell mit 23:22 geschlagen.

Das hieß: Unmittelbar vor Anpfiff waren die MTV-Damen einen Punkt hinter Wattenbek und Travemünde auf Rang elf abgerutscht, handelte es sich bei der anstehenden Begegnung um das Spiel Tabellenletzter gegen Tabellenvorletzter. Wollten und sollten die Altlandsbergerinnen wieder schleunigst aus der Abstiegszone raus, gab es zu einem Sieg gegen den VfL Stade endgültig keine Alternative mehr.

Der Druck, der auf den Grün-Weißen lastete, war mit Händen zu greifen. Schlimmer noch: Er war auch an der Anzeigentafel abzulesen. Fast die gesamten ersten zehn Minuten der ersten Halbzeit warfen die MTV-Damen entweder am Tor vorbei oder die Stadener Torhüterin ab. Fast zehn Minuten strahlte eine große 0 Team wie Anhängerschaft an. Was allerdings nicht heißt, dass es in diesen ersten zehn Spielminuten keine Tore gegeben hätte. Sie wurden nur von den Gastgeberinnen erzielt. Erst in Minute 9:59 gelang der erste Altlandsberger Treffer zum 1:3. Eine Momentaufnahme, die sich selbst kommentiert.

“Eigentlich hätte ich zur Grünen Karte greifen müssen”, erläuterte Handball-Abteilungsleiter und Wieder-Interims-Coach Thomas Klatt (der etatmäßige Trainer Sebastian Grenz befindet sich in einem vor seinem Engagement beim MTV gebuchten und bezahlten USA-Urlaub). “Dann hab ich mir aber gedacht, diesen Zwischenstand kannst du unmöglich ernst nehmen. Das wird sich schon rütteln und schütteln.”

Das tat es auch. Aus dem 1:3 wurde bis zur 15. Minute ein 3:3 und aus diesem über 6:6 (24. Minute) eine Altlandsberger 12:9 Führung zum Seitenwechsel. In der zweiten Halbzeit hatten die sich weiter tapfer wehrenden Staderinnen dem MTV nichts mehr entgegen zu setzen. Die Grün-Weißen konnten sich erst auf 17:11 (38. Minute) absetzen und sich am Ende über einen letztlich ungefährdeten 27:19 Erfolg freuen. Es war aber eine in jeder Hinsicht nicht drittligataugliche Veranstaltung. Die MTV-Damen haben einen Pflichtsieg eingefahren. Nicht weniger, aber ganz bestimmt nicht mehr.

Und so wie beim Eiskunstlauf die teutonisch unbarmherzig anmutende Pflicht in Kurzprogramm umbenannt wurde, können sich Sebastian Grenz Schützlinge über diese so wichtigen zwei Punkte nur ganz kurz freuen. Bereits am nächsten Spieltag, dem 3.3.2018, droht den Altlandsbergerinnen wieder die Gefahr, in die Abstiedszone abzurutschen und dort auch erstmal verweilen zu müssen.

Augenblicklich bekleidet der MTV wieder den letzten Nichtabstiegsplatz 9. Er hat aber nur einen Punkt Vorsprung vor den unmittelbar dahinter liegenden Teams aus Travemünde und Wattenbek. Und der Spielplan führt diese beiden am nächsten Spieltag gegeneinander. Wenn die sich also nicht unentschieden trennen, wird eines der beiden den MTV punktemäßig und in der Tabelle überholen. Es sei denn, die MTV-Damen spielen selbst mindestens unentschieden oder gewinnen gar gegen die HG O-K-T in Kropp. Da ist in den nächsten 14 Tagen im Training noch einiges zu tun, auch und vor allem in den Regionen, die man gemeinhin als die mentalen bezeichnet. Die Kurzfassung der Lage bleibt dem MTV-Vorsitzenden André Witkowski vorbehalten: “Wir haben keinerlei Puffer mehr!”

MTV:

Yania Silva Alfonso (Tor), Elia García Cañabate (Tor), Tülay Bayram, Manja Berger, Josephine Dähne 2, Ann-Catrin Höbbel 5, Sophia Mattisseck, Christine Miniers 1, Bernadet Mudri, Martyna Rupp 7, Vanja Smiljanic 3, Marlene Steffen, Tina Stehlik, Lucyna Trzczak 9/2.

Foto: Evi Sellert

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