Der letzte Spieltag steht bevor, aber für die Drittligadamen des MTV 1860 Altlandsberg nicht notwendiger Weise das letzte Spiel in dieser Saison. Damit es das wird, damit die Klasse direkt gehalten werden kann, müssen sie am kommenden Sonntag bei der HSG Jörl DE Viöl (Anwurf: 17:00 Uhr) gewinnen, die bei einem Sieg gegen den MTV die Saison als Vizemeisterinnen abschließen könnten. Aber das allein reicht nicht. 

Was wissen wir? Der Nordexpress, der TSV Nord Harrislee ist Meister der 3. Liga Nord in der Saison 2017/18. Selbst wenn sie ihr letztes Heimspiel gegen die HG O-K-T verlieren sollten (wovon nicht zwangsläufig auszugehen ist) und der zweitplatzierte Buxtehuder SV II sein letztes Saisonspiel in Oyten gewinnen sollte (was zumindest keine Überraschung wäre), könnte Buxte bestenfalls an Punkten mit dem TSV Nord gleichziehen. Da der direkte Vergleich an Harrislee ginge, bliebe der so oder so auf Platz 1. Herzlichen Glückwunsch und viel Vergnügen in der 2. Bundesliga!

Was wir nicht wissen? Wer kann die Klasse direkt halten und wer muss in die Relegation. Selbst zu dieser späten Saisonstunde stecken noch zwei Teams richtig im Schlamassel. Was andererseits bedeutet, dass in diesem letzten Spieltag auch noch gehörig Musik steckt. Ach was, Musik! Ein dramatischeres Ende der Spielzeit im unteren Tabellendrittel könnte sich kein Thrillerautor ausmalen.

Aller Voraussicht nach durch sein dürften die Aufsteigerinnen des TSV Wattenbek. Dass sie ihr Heimspiel gegen den als Absteiger schon lange feststehenden VfL Stade verlieren könnten, darf getrost als äußerst unwahrscheinlich bezeichnet werden, ohne den Stader Mädels damit in irgendeiner Weise zu Nahe treten zu wollen. Zumal Wattenbek bei einem Sieg gegen Stade und gleichzeitiger Niederlage Oytens gegen Buxtehude II (was zumindest keine Überraschung wäre) sogar noch auf Platz sieben der Tabelle vorrücken könnte.

Das Beste; das für den MTV drin ist, wäre Platz neun der Tabelle. Der hat zwar mit den einmal von der Mannschaft selbst ins Auge gefassten Saisonzielen nichts zu tun, aber was hat in dieser durch und durch verkorksten Spielzeit schon mit irgendetwas etwas zu tun. Platz neun hieße immerhin, dass den Altlandsbergerinnen und ihrem Anhang die Relegation erpart bliebe, die 3. Liga direkt gehalten würde und weitere zwei Wochen Unsicherheit vermieden werden könnten. Diese Unsicherheit bis zum letzten Spieltag war und ist es nämlich, die jede Planung für die kommende Saison noch komplizierter werden ließ, als sie es sowieso schon ist.

Die Voraussetzungen für das Erreichen dieses neunten Tabellenranges sind immerhin in der Theorie so einfach, wie sie in der Praxis schwierig umzusetzen sind. Und die bestehen aus zwei Teilen, die sich gegenseitig bedingen, der MTV aber nur auf einen selbst Einfluss nehmen kann. Keinen Einfluss haben die Grün-Weißen auf den Ausgang der Partie Frankfurter HC gegen den Schwerin. Natürlich werden die Frankfurterinnen, die unter ihrer neuen Trainerin Daniela Filip eine beneidenswert gute Serie hingelegt haben, die Saison nicht in der eigenen Halle, vor den eigenen Fans mit einer Niederlage beenden wollen. Schwerin weiß aber zugleich, dass sie bei einer Niederlage selbst Gefahr laufen, noch in der Relegation zu landen.

Dann nämlich, wenn der MTV die HSG Jörl DE Viöl schlagen kann. “An dieser Stelle muss uns niemand darauf hinweisen, dass auch das zu den vielen Dingen gehört, die einfacher gesagt als getan sind”; betont MTV-Teammanager Wolfram Eschenbach. “Unsere Gastgeber haben alle Fans und Unterstützer zur großen Saisonabschlussfeier eingeladen, da ist ein Sieg der Gäste bestimmt nicht eingepreist. Dennoch werden wir alles daran setzen, unsere kleine Siegesserie nicht abreißen zu lassen. Es ist schließlich unsere letzte Chance, die 3. Liga direkt zu halten, ohne Umweg über eine noch schwierigere und vollkommen unberechenbare Relegation. Wir werden sie nutzen.”

Und dann ist da noch die Dada-Variante möglich, eine Konstellation, die die DHB-Durchführungsbestimmungen gar nicht so richtig vorgesehen haben. Verliert nämlich Wattenbek doch gegen Stade, gewinnt Schwerin gegen den FHC (was zumindest, und aus MTV-Sicht leider, nicht komplett ausgeschlossen werden kann) und schlägt der MTV die HSG Jörl DE Viöl (aus Altlandsberger Sicht sowieso Pflicht), haben Wattenbek, Schwerin und Altlandsberg jeweils 16:28 Punkte. Nun sehen die Durchführungsbestimmungen vor, dass bei Punktgleichheit der direkte Vergleich der gegeneinander ausgetragenen Spiele über die Platzierung entscheidet.

Und genau hier wird es lustig kompliziert. Den direkten Vergleich Wattenbek gegen MTV hat der MTV für sich entschieden (3:1 Punkte), müsste also vor Wattenbek liegen. Der direkte Vergleich Wattenbek gegen Schwerin geht an Wattenbek (3:1 Punkte), weshalb Wattenbek vor Schwerin rangiert. Der direkte Vergleich MTV gegen Schwerin geht an Schwerin (4:0 Punkte), weshalb Schwerin vor dem MTV liegen muss. Das hieße aber, dass der MTV zugleich vor und hinter Wattenbek, vor und hinter Schwerin liegen müsste. Einfach kompliziert eben.

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